Meine richtige Mama ist damals leider kurz nach der Geburt meiner drei Geschwister und mir über die Regenbogenbrücke gegangen. Zuerst landeten wir bei einem Tierarzt, der aber zu wenig Zeit hatte, uns vier mit der Flasche aufzuziehen. Dieser brachte uns dann ins Tierheim, wo dann versuchte wurde, uns aufzupäppeln. Tragischerweise habe nur ich es geschafft. Und dann kam meine Dosi ins Spiel. Ich hab mich gerade in meinen Korb zum Schlafen eingerollt (hatte mein Fläschchen bekommen und war todmüde), als ich mit anhörte, wie die große Menschenfrau, die mich bisher immer versorgt hat, zu einer anderen Menschenfrau sagte, dass sie für ein paar Tage wegmüsse und sie jemanden suche, der das kleine Würmchen versorgt. (Ich fühlte mich noch nicht angesprochen, schließlich bin ich ein Kater und kein Würmchen - und schon gar nicht "klein"). Na egal. Jedenfalls konnte ich gar nicht schnell genug denken, als ich schon in so einer scheußlich Box saß. Leute, ich kann Euch sagen, hab ich ´nen Schiß gehabt

Ich schrie mir fast die Lunge aus dem Hals. Schließlich wusste ich nicht, wer mich da im Schlepptau hat und wo ich hingebracht wurde. Nach einer halben Ewigkeit war dann endlich Stille um mich herum. Aber weit gefehlt. Der größte Stress stand mir erst noch bevor. Ich wurde abgesetzt, das Türchen von meiner Box wurde geöffnet und plötzlich hörte ich gar nichts mehr. Hat die mich jetzt etwa ausgesetzt? Ich hatte schon den Hungertod vor Augen. Doch dann hörte ich ein ruhige Stimme, die mir Nettigkeiten zuflüsterte. Na da konnte ich doch mal eine Blick riskieren - und schon stand ich mitten in einem großen Zimmer und blickte in 2 Dosiaugen. Ich flitzte auf wackeligen Beinchen wieder in meine sichere Box. Dort blieb ich aus erstmal. Irgendwann machte sich aber mein Magen bemerkbar und ich fing an nach Hilfe zu rufen. Die kam auch prompt in Form einer schönen warmen Flasche Milch. Da fasste ich dann Zutrauen und fühlte mich so richtig wohl im Arm von meiner neuen Dosi. Somit war das Eis zwischen uns gebrochen und ich kuschelte mich ganz eng an Dosi-Mami und schlief den Schlaf der Gerechten.  

Als ich wieder aufwachte, machte ich auch gleich Bekanntschaft mit meinem Mitbewohner, der mich neugierig begutachtete. Mit Nino verstand ich mich auf Anhieb und er nahm mich auch gleich unter seine Fittiche. Er zeigte mir alles, erklärte mir, was ich zu beachten hatte und erlaubte mir dann sein Körbchen zu benutzen. Mein neues Leben hatte begonnen und ich war rundum zufrieden. Am Ende meines ersten aufregenden Tages in der neuen Heimat wurde ich noch dem Dosi-Mann vorgestellt, der war auch ganz o.k.
Mein alter Kumpel Nino wohnt leider nicht mehr bei uns. Wir wissen nicht, was mit ihm passiert ist, oder wo er hingegangen ist. Irgendwann ist er einfach nicht mehr nach Hause gekommen. Lieber Nino, wir denken immer an dich und haben dich ganz doll lieb.

 

Text by Pinsel